Foto: Oliver Freudenthaler, Laufen
Ein UNgemütliches Vergnügen

In "Närrische Welt, oder: Kakanien ist überall" lässt Ernst Jani Johann Nepomuk Nestroy zu Wort kommen, der dem vertrottelten Adel und der reich gewordenen Bourgeoisie im "Kakanien" des Biedermeier immer wieder ein Dorn im Auge war.

Johann Nepomuk Nestroy (1801 - 1862) trat auf den Plan und wurde mit seinem Bühnenwerk in zunehmendem Maße zum Sprachrohr kleinbürgerlicher Stimmungen und zum zielbewussten Kritiker der bestehenden Verhältnisse; seine Angriffe trafen das verhasste Metternich-Regime mitten ins Herz. In Nestroy pulsierte der Herzschlag einer Zeit, die gesellschaftlich und politisch nach Neuem verlangte. Mit großer Geistesschärfe und in treffender sprachlicher Zuspitzung deckte er die Übel seiner Zeit auf.

Wer will, dem schrumpft die dramatische österreichische Literatur des 19. Jahrhunderts zu Johann Nestroy zusammen. Keiner wird häufiger gespielt, gelesen, erforscht und bearbeitet. Warum das so ist? Es liegt an Nestroy selbst; er war nicht nur zeitgemäß, er ist es!

Seine Beobachtungen, Definitionen und Schlussfolgerungen stimmten damals wie heute. Eines ist klar: Sprachliebhaber waren und sind von Nestroy gefesselt. Denn aus dem Schauspieler Nestroy spricht der Sprachkünstler, aus dem Sprachkünstler der Schauspieler. Aus dem Nährboden altwienerischer Spektakeltraditionen schuf Nestroy ein Volkstheater ganz neuer Prägung, nämlich aggressiver, satirischer Komik. Hier hat ein Scharfäugiger dem Volk auf´s Maul gesehen.